Hintergrund & Annahmen
Damit die Zahlen richtig eingeordnet werden können: hier stehen die wichtigsten Annahmen des Rechners und ihre Quellen.
Norm-Heizlast und Norm-Außentemperatur gehören zusammen #
Beide Werte definieren gemeinsam den spezifischen Wärmeverlustkoeffizienten des Gebäudes (kW pro Kelvin Temperaturdifferenz zwischen innen und der Norm-Außentemperatur) – genau wie bei einer Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Ändert man nur die Norm-Außentemperatur, ohne die Norm-Heizlast anzupassen, ändert man implizit die angenommene Gebäudedämmung. Nach DIN EN 12831-1 liegen die deutschen Norm-Außentemperaturen zwischen etwa -10°C (milde Küstenregionen wie Fehmarn) und -16°C (kälteste Regionen, z.B. Alpenrand). Werte deutlich außerhalb dieses Bereichs sind für keinen Standort in Deutschland realistisch.
Automatischer Vorschlag zur Norm-Außentemperatur #
Sobald du das Standort-Feld verlässt, wird ein Vorschlag geladen: die kälteste tatsächlich gemessene Stunde der letzten 3 Winter an der nächstgelegenen DWD-Station, abzüglich 3°C Sicherheitsmarge (gedeckelt auf maximal -8°C, auch für sehr milde Küstenlagen). Das ist bewusst vorsichtig geschätzt, aber keine offizielle DIN-EN-12831-1-Normaußentemperatur – die echte DIN-Tabelle basiert auf einer mehrjahrzehntelangen Statistik pro Referenzort und ist kostenpflichtig. Gerade wenige, ungewöhnlich milde Winter in den Rohdaten können den Vorschlag optimistischer ausfallen lassen als der offizielle Wert. Bitte den Vorschlag als Ausgangspunkt verstehen und bei Unsicherheit lieber kälter ansetzen bzw. fachlich prüfen lassen – eine zu milde Norm-Außentemperatur führt zu einer unterdimensionierten Heizungsanlage.
Vereinfachte Heizlast-Schätzung nach Wohnfläche #
Wer seine Norm-Heizlast nicht kennt, kann sie grob aus Wohnfläche × spezifischer Heizlast (W/m²) nach Baualtersklasse schätzen. Richtwerte (unsaniert, sofern nicht anders angegeben): vor 1945 ca. 110–150 W/m², 1950er/60er ca. 90–120 W/m², 1970er/80er ca. 70–100 W/m², saniert ca. 60–80 W/m², Neubau nach GEG ca. 40–50 W/m², KfW-Effizienzhaus/Passivhaus ca. 15–30 W/m². Das ersetzt keine verbindliche Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – für die ist laut GEG ohnehin nur die raumweise Berechnung durch eine Fachkraft zulässig, keine reine Flächen-Methode.
Warmwasserbedarf pro Person #
Die Richtwerte in der Auswahlliste orientieren sich an typischen Zapfmengen bei 60°C: normal ≈ 35–45 l/Tag/Person (≈ 700 kWh/Jahr/Person), erhöht ≈ 50–70 l/Tag/Person (≈ 1.100 kWh/Jahr/Person, z.B. häufigere Wannenbäder oder hoher Komfortanspruch). Der bundesweite Durchschnitt liegt bei ca. 30–45 l/Tag/Person. Der Wert bleibt nach Auswahl eines Richtwerts frei editierbar.
Heizgrenztemperatur #
Die Heizgrenztemperatur ist die Außentemperatur, ab der ein Gebäude ohne aktive Heizung warm genug bleibt (innere Wärmequellen, Sonneneinstrahlung). Die Voreinstellungen (10°C Niedrigenergiehaus, 12°C Neubau, 15°C Altbau) folgen der gängigen Einordnung, wie sie u.a. der JAZ-Rechner des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) verwendet, sind aber frei überschreibbar.
Zwei Heizkreise (Fußbodenheizung + Heizkörper) #
Bei Mischsystemen (z.B. Fußbodenheizung im Erdgeschoss, Heizkörper im Obergeschoss) sollte hier die Heizkurve des Heizkörper-Kreises eingetragen werden, nicht ein Mittelwert beider Kreise. Die Wärmepumpe erzeugt nur eine Vorlauftemperatur am Ausgang – der Fußbodenkreis bekommt seine niedrigere Temperatur über ein Mischventil heruntergemischt, nicht weil die Wärmepumpe für diesen Kreis kühler führe. Sobald irgendwo im Haus ein Heizkörper Wärme braucht, bestimmt dessen höhere Temperatur den COP der gesamten Anlage, unabhängig davon, wie groß der Fußbodenheizungs-Anteil ist. Nicht abgebildet wird dabei, dass das System an Stunden, in denen nur die Fußbodenkreise Wärme anfordern, theoretisch mit niedrigerer Vorlauftemperatur auskommen könnte – das würde eine lastabhängige Umschaltung zwischen beiden Kreisen voraussetzen, die dieses vereinfachte Ein-Kurven-Modell nicht abbildet. Das führt tendenziell zu einer leicht unterschätzten Effizienz bei Mischsystemen – nie zu einer überschätzten.
Referenz-JAZ (Näherung) #
Der optionale „Referenz-JAZ" pro Wärmepumpe ist keine offizielle, zertifizierte Berechnung nach VDI 4650 Blatt 1:2024-02 – die dafür nötigen Gewichtungstabellen der Richtlinie sind kostenpflichtig (Beuth Verlag) und liegen uns nicht vor. Stattdessen simulieren wir mit derselben Methode wie den Hauptrechner, aber mit einem einheitlichen, standortunabhängigen Referenzklima (DWD-Station bei Kassel, ungefähr mittleres deutsches Klima) und der Annahme, dass die Wärmepumpe genau auf ihre eigene Kennfeld-Maximalleistung bei -12°C (Luft/Wasser) bzw. 0°C Soleeintritt (Sole/Wasser) ausgelegt ist. Das ergibt eine Vergleichszahl unabhängig von deinem konkreten Standort und deiner Heizlast – tendenziell aber höher als Hersteller-SCOP-Angaben, da hier von einer optimal auf die Pumpenleistung abgestimmten Gebäudeauslegung ausgegangen wird. Für eine offizielle, zertifizierte VDI-4650-Berechnung: BWP-JAZ-Rechner.
Was bedeuten die drei JAZ-Kennzahlen? #
JAZ Verdichter berücksichtigt nur den Stromverbrauch des Verdichters. JAZ Wärmepumpe (inkl. Nebenaggregate) zählt zusätzlich Umwälzpumpen- und Standby-Strom hinzu. JAZ Gesamtsystem bezieht zusätzlich eine elektrische Zusatzheizung mit ein, falls die Wärmepumpe die Heizlast nicht allein decken kann. Springt die Zusatzheizung nie ein (Deckungsgrad 100%), sind „JAZ Wärmepumpe" und „JAZ Gesamtsystem" rechnerisch identisch – das ist kein Fehler, sondern zeigt, dass in diesem Fall keine zusätzliche Heizenergie außerhalb der Wärmepumpe nötig war.
Wind-Abtauminderung #
Bei Luft/Wasser-Wärmepumpen setzt sich im Bereich um den Gefrierpunkt (typisch -3 bis +7 °C Außentemperatur) Reif am Verdampfer ab; die Pumpe muss regelmäßig abtauen, was Energie kostet, ohne Nutzwärme zu liefern. Wind verschärft das: Er bläst mehr feuchte Luft über den Verdampfer und kühlt das Gerät zusätzlich aus. Der Rechner bildet das über einen COP-Abschlag ab, sobald drei Bedingungen gleichzeitig zutreffen – Luft/Wasser-Pumpe, Außentemperatur im kritischen Band, Windgeschwindigkeit oberhalb einer Referenzgeschwindigkeit (meist 3 m/s, die Prüfkammerbedingung des Hersteller-COP): Faktor = 1 − Empfindlichkeit × (Wind − Referenzwind), nach unten auf 50 % gedeckelt. Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Pumpen sind nie betroffen, ihre Quelle „spürt" keinen Wind. Std. Wind-Abtauminderung im Ergebnis zeigt nur die Anzahl der betroffenen Betriebsstunden, nicht die Höhe des Verlusts in kWh oder €. Die drei zugrundeliegenden Parameter (Referenzwindgeschwindigkeit, Windempfindlichkeit, kritisches Temperaturband) stehen so gut wie nie im Herstellerdatenblatt – bei jeder Pumpe im Katalog sind sie deshalb als typische, branchenübliche Schätzwerte gekennzeichnet, nicht als Herstellerangabe.
Puffer- und Warmwasserspeicher #
Speicher geben rund um die Uhr Wärme an den Aufstellraum ab – diese Wärme muss die Wärmepumpe zusätzlich erzeugen. Der Rechner ermittelt den Warmhalteverlust aus Volumen und Dämmklasse nach der Formel der EU-Verordnung 812/2013 (S = a + b · V0,4). Ein 300-l-Speicher verliert damit je nach Dämmung etwa 320 kWh (Klasse A) bis 860 kWh (Klasse D) pro Jahr. Der Warmwasserspeicher wird ganzjährig warmgehalten, der Heizungspuffer nur während der Heizperiode. Die Vorschläge folgen rund 50 l/Person (normal) bzw. 80 l/Person (erhöhter Verbrauch) beim Warmwasser – gedeckelt auf 400 l, weil darüber nach DVGW W 551 die strengeren Regeln für Großanlagen mit dauerhaft 60 °C greifen – und rund 20 l/kW Heizlast beim Puffer. Nicht modelliert sind der Temperaturaufschlag eines in Reihe eingebauten Trennpuffers, die Registerfläche des Warmwasserspeichers und das Taktverhalten innerhalb einer Stunde. Diese Zusammenhänge sind auf der Detailseite zur Speicherauslegung ausführlich erklärt.
Investitions- und Wartungskosten #
Die bei jeder Wärmepumpe angezeigten Beträge sind grobe Marktrichtwerte (siehe Quellenangabe je Pumpe), keine standortspezifischen Angebote. Liegt dir ein echtes Angebot vor, trag die Werte direkt in den Feldern bei der Pumpenauswahl ein – sie werden dann anstelle der Richtwerte für die Wirtschaftlichkeitsrechnung verwendet und im Ergebnis als „eigener Wert" gekennzeichnet. Wird die Wirtschaftlichkeitsrechnung genutzt, speichert die App lokal (nicht standortbezogen, nicht extern übertragen) den jeweils verwendeten Kosten- und Wartungswert samt Kennzeichnung „Richtwert"/„eigener Wert" – als Grundlage, um die Richtwerte womöglich später anhand echter Angebote zu verbessern. Es gibt aktuell noch keine automatische Auswertung dieser Daten.
Kapitalwert der Kosten #
Der Kapitalwert der Kosten beantwortet die Frage: Was kostet diese Wärmepumpe insgesamt über den Betrachtungszeitraum (Investition plus alle Strom- und Wartungskosten), ausgedrückt in heutigem Geld? Anders als sonst bei „Kapitalwert" ist hier niedriger besser – es werden ausschließlich Kosten summiert, keine Erträge. Berechnet wird Kapitalwert = Nettoinvestition + Σ (Energiekosten Jahr 1 × (1 + Preissteigerung)Jahr−1 + Wartung) ÷ (1 + Zinssatz)Jahr über alle Jahre des Betrachtungszeitraums. Zwei Effekte wirken dabei gegeneinander: Die Energiekosten steigen jedes Jahr nominal (Preissteigerung), werden aber gleichzeitig abgezinst, weil ein Euro in 15 Jahren heute weniger wert ist als ein Euro sofort. Die Nettoinvestition selbst fällt in Jahr 0 an und wird nicht abgezinst. Nicht enthalten sind ein Restwert der Anlage nach Ablauf des Betrachtungszeitraums, größere Reparaturen/Bauteiltausch über die normale Wartung hinaus, und der Vergleich zur bisherigen Heizung (das leistet separat die Amortisationszeit, sofern deren Heizkosten angegeben wurden). Die Kennzahl eignet sich vor allem, um zwei Wärmepumpen fair zu vergleichen: Eine teurere Pumpe mit besserer Jahresarbeitszahl kann trotz höherem Kaufpreis den niedrigeren Kapitalwert haben.
Kalkulationszinssatz und Strompreissteigerung #
Beide Werte fließen in den Kapitalwert der Kosten ein und sind frei editierbar. Der Kalkulationszinssatz (Standard 4 %) bildet ab, was das eingesetzte Kapital sonst erwirtschaften oder kosten würde: Wer die Wärmepumpe über einen Kredit finanziert, sollte eher den tatsächlichen Darlehenszins ansetzen; wer aus Eigenkapital zahlt, den Zins einer alternativen, sicheren Anlage. VDI 2067 (Wirtschaftlichkeit gebäudetechnischer Anlagen) nennt für solche Berechnungen üblicherweise eine Bandbreite von etwa 3–6 % – 4 % liegt darin, ist hier aber nicht aus einer zitierten Quelle abgeleitet, sondern ein plausibler Ausgangswert, anders als z. B. die BEG-Fördersätze. Die Strompreissteigerung (Standard 3 % pro Jahr) ist eine Annahme über die künftige Preisentwicklung – wer stärker oder schwächer steigende Preise erwartet, verschiebt damit bewusst die Bewertung zugunsten oder zulasten der effizienteren, aber teureren Pumpe.
Datenquellen im Überblick
- Wetterdaten (Temperatur, Wind, Globalstrahlung): Deutscher Wetterdienst (DWD), Climate Data Center, via
wetterdienst - Strompreise (dynamischer Tarif): SMARD/Bundesnetzagentur, Day-Ahead-Preise Gebotszone DE-LU
- Standortsuche: OpenStreetMap Nominatim
- Wärmepumpen-Kennfelder: Herstellerdatenblätter (siehe Quellenangabe je Pumpe im Ergebnis)
- Heizlast-Richtwerte, Warmwasserbedarf: Verbraucherzentrale/branchenübliche Richtwerte (siehe Angaben oben)